Gelassenheit erlernen: keine Worte zu haben ist nicht so schlimm!


Gelassenheit nutzen, wenn man keine Worte hat

© Gabi Eder / pixelio.de

Kennt Ihr die Situation auch, in der man sich wünscht, man wäre gern mit einer unglaublichen Schlagfertigkeit gesegnet. Gerade hatte man ein Streitgespräch oder eine Auseinandersetzung mit einem Kollegen. Danach geht man im Kopf die Situation immer und immer wieder durch und im Nachhinein fällt dir ein, was Du deinen Kollegen am liebsten um die Ohren gefeuert hättest.

Denn der verbale Gegenschlag gibt uns ein Gefühl der Genugtuung, ist aber eigentlich nicht der beste Weg. Ich hab da ein sehr schönes Buch von Frau Dr. Gudrun Frey gelesen und muss sagen, eigentlich ist gar nicht so schlimm, wenn man nicht sofort in den verbalen Clinch geht, denn dieses Gefühl ist ein Schutzprogramm des eigenen Körpers und dient dem Überleben.

Dieses Schutzprogramm hat drei Reaktionsmöglichkeiten:

  • den Angriff
  • die Flucht
  • die Erstarrung

Letzteres ist der Fall, indem man verzweifelt auf seine Schlagfertigkeit wartet. Der Vorteil ist aber, dass man diese Phase der Erstarrung nutzen kann, um mit einer besonnen Reaktion im Nachhinein zu das Problem angehen können. Dazu mal ein kleines Beispiel von mir:

Ich hatte ein Meeting, in der ich eine Präsentation zu einem Projekt halten sollte, mein Vorgesetzter fand diese Präse aber total daneben und an den Haaren herbeigezogen. Was sie allerdings nicht war.

Dank der „Erstarrung-Phase“ feuerte ich meinem Teamleiter nicht um die Ohren, was ich denn so von seinen Sachen halte, die in meinen Augen auch mmmh, naja, lassen wir das. Halt als Abwehrreaktion, da man vor versammelter Mannschaft niedergemacht wurde. Laut dem Buch soll man lieber nach dem Meeting zum Provokateur gehen und konkret das Problem ansprechen. Wichtig hierbei: in klaren Ich-Botschaften sprechen. Also: „Ich fühle mich von Dir angegriffen“ oder ähnliches. Nicht unterwürfig sein, sondern bestimmend. Ich hab mich stattdessen nur geärgert und mit einem Arbeitgeberwechsel geliebäugelt.

Gespräche in die humane Bahn lenken

Aber es gibt auch Situationen, in denen man mit verärgerten Menschen telefoniert. Dank meiner Call-Center Laufbahn kenne ich das Thema ganz gut. Der Kunde ist aggressiv und geht einen persönlich an. Für Ratschläge ist er nicht empfänglich, da alle Zeichen auf Sturm stehen. Dafür gibt es einen Taktik aus der professionellen Gesprächsführung.

Wenn der Gesprächspartner mal Luft holen muss, beginnt man den kontrollierten Konter. Man wiederholt seine Kritikpunkte ruhig und sachlich. Ganz wichtig ist dabei, dass man den Gesprächspartner bei seinem Namen nennt. Denn so wird er darauf hingewiesen, dass er keineswegs anonym ist. Das sollte den Gegenüber auf unser Gesprächsniveau herauf heben, denn er erkennt, das man ihm zuhört, ihn versteht und eine Lösung erzielen will.

Wie gesagt, fand ich das Buch sehr interessant und kann es nur weiterempfehlen. Um alles so umsetzen zu können, muss man sicherlich schon noch einmal ein Rhetorik-Trainingslager besuchen. Aber man soll seine Rhetorik auch allein vor dem Spiegel oder mit seiner Partnerin üben können.

Aber zum Schluss, sollte man als erstes an eines denken: Cool bleiben, es ist nicht so schlimm, wenn einem die Worte fehlen! Frag Jules 😉